Das liebe Federvieh
Neugierig schauen die Puten auf die Neuankömmlinge.
Die Hähne mit ihren bläulich
schillernden Köpfen, ganz die Herren
im Putenstall, bauen sich mutig vor uns
auf. Wir sind zu Besuch auf dem Biohof
Wallner in Goppertshofen, einem Weiler
im Dachauer Hügelland bei Hebertshausen,
stehen vor dem neuen Putenstall, der
am Ortsrand auf dem Hügel liegt und beobachten
das rege Treiben der Putenschar.
Putenhaltung ist in der Landwirtschaft eine
große Herausforderung. Das Management
der empfindlichen Tiere ist sehr anspruchsvoll.
Für Simon und Barbara Wallner liegt
hier der besondere Reiz ihrer Arbeit. Sie
haben ihren gesamten Betrieb, auch die
120 Hektar Ackerfläche, auf die Puten abgestimmt.
Schon die Eltern von Simon Wallner
hatten den Weg der Geflügelhaltung eingeschlagen,
damals mit Junghennenaufzucht.
Der Einstieg in die Putenhaltung
kam dann 1985, als Putenfleisch zunehmend
in Deutschland nachgefragt wurde.
1995 hat Simon Wallner gemeinsam mit
seiner Frau den elterlichen Hof auf ökologischen
Landbau umgestellt, wobei ein
wichtiger Impuls damals von Barbara
ausging. Ihr war das Wirtschaften im Einklang
mit der Natur ein großes Anliegen.
Puten-Wellness
Als Produzent von Putenfleisch steht für
Simon Wallner das Wohlbefinden seiner
Tiere ganz oben an. „Wenn’s den Puten
schlecht geht, geht’s mir auch schlecht“.
Um gut zu gedeihen, brauchen Puten
ideale Lebensbedingungen. Deshalb ergreifen
die Wallners immer wieder neue
Maßnahmen, um diese Bedingungen für
ihre Putenschar zu verbessern.
Der Stolz der Wallners ist der neue Auslaufstall,
der inmitten einer 5 Hektar großen
Wiese liegt und großräumig Auslauf
für die Puten bietet. Das Areal ist so groß,
dass die Auslaufflächen parzellenweise
gewechselt werden können. Mal darf die
eine Gruppe sich in Richtung Süden austoben,
mal in Richtung Norden. Die jeweilig
andere Fläche wird dann abgeriegelt, das
Gras kann wieder wachsen. Denn in der
Regel wird in der Geflügelhaltung eine
Weide oder ein Auslauf durch die Tiere
überbeansprucht. Die Grasnarbe wird beschädigt,
das Gras wächst nicht nach.
Ab Sommer 2009 im Sortiment der Amperhof Ökokiste:
Puten-Wurstspazialitäten und Putenfleisch jeweils zu den Fleischaktionen.
|
Kreislaufwirtschaft Alles aus
einer Hand
Professionalität als Biobauer bedeutet für
Simon Wallner, den ökologischen Landbau
konsequent umzusetzen. Auf seinem
Betrieb beruht die Fütterung der Puten zu
einem großen Teil auf Komponenten aus
eigenem Anbau wie Weizen, Mais, Erbsen
und Ackerbohnen. Diese werden in der
hofeigenen Futtermühle vermischt und
zu Pellets verarbeitet. Ergänzt wird dieses
Futter durch zugekaufte Komponenten,
die notwendig sind, um die Eiweißdichte
in der Ration vor allem in der ersten Lebensphase
der Puten, in der der Bedarf
sehr hoch ist, zu ergänzen. Dieser Zukauf
ist durch die Richtlinien des Naturland
Verbandes streng geregelt und wird von
den Bio-Kontrolleuren überwacht.
In den ersten Jahren der Bio-Umstellung
war das Futter von einem Bioverarbeiter
im Allgäu gekommen. Das hatte die Wallners
nicht zufrieden gestellt. Die Futteraufbereitung,
die früher standardmäßig
auf den Höfen stattfand, ist heutzutage
eine „Dienstleitung“, die vom Landhandel
geleistet wird. Die Wallners holten sich
1998 mit dem Bau einer eigenen Futtermühle
diesen Teil der Verarbeitungskette
zurück und erlangen damit ein Stück Autonomie
und Unabhängigkeit, auch wenn
der Bau eine erhebliche finanzielle Investition
war.
Auch in der Verarbeitung ihrer Produkte
setzen die Wallners auf Regionalität. Eine
Schlachterei in Ampfing hat für sie einen
speziellen Bio-Tag eingeführt.
Die Vermarktung besteht bei den Wallners
aus einem gesunden Mix aus Großabnehmern
Großabnehmern,
Belieferung des Naturkostgroßhandels,
des Einzelhandels und
Direktvermarktung im Hofladen, den
Barbara Wallner mit großem Engagement
betreibt.
Ökologische Qualität, die
überzeugt
Die Wallners bemühen sich möglichst
hochwertiges Fleisch zu produzieren.
Deshalb gibt es bei ihnen im Gegensatz
zum üblichen Standard in der Putenhaltung
fast nur weibliche Tiere. Die liefern
ein zarteres Fleisch im Gegensatz zu den
männlichen Tieren, die vor allem mehr
Masse produzieren.
Sehr beeindruckt sind wir als Simon
Wallner uns erklärt, wie groß der Unterschied
zwischen der Bio-Putenhaltung
und der konventionellen Putenhaltung ist.
Wallners Bioputen haben ein Endgewicht
von durchschnittlich 11 kg und dabei
eine Lebensdauer von 20 bis 23 Wochen.
Konventionelle Putenhennen leben nur
15 Wochen, um dieses Endgewicht zu
erreichen, die männlichen Tiere erreichen
in dieser Zeit sogar ein Gewicht von 22
kg. Echte Bio-Qualität mit Futter aus eigenem
Anbau, anstatt Soja aus Brasilien.
Ein Unterschied, der uns auf ganzer Linie
überzeugt!
Artikel von Elisabeth Peters
|